Umsonstbuffet auf‘m Leo

Die Plätze denen, die drauf essen!

Am Montag, den 4.10.2010 um 11 Uhr, wollen wir auf dem Leopoldplatz in Wedding einen öffentlichen Raum zurückerobern, eine unkommerzielle, kreative und selbstorganisierte Nutzung für alle ermöglichen und damit die Frage „Wem gehört die Stadt?“ ganz praktisch stellen.

Warum der Leopoldplatz? Weil hier derzeit ein Prozess zu beobachten ist, der auch schon in anderen Stadtteilen, so oder so ähnlich ablief und sich wiederholen wird. Unter den Schlagworten Ordnung und Sauberkeit, sollen die bisherigen Nutzer_innen, einer zahlungskräftigeren, imagefördernden Gruppe weichen. Beispielhaft davon betroffen sind hier die Drogenkonsument_innen, aber auch die kleinen Gewerbetreibenden in der Umgebung. Die Nazarethkirchengemeinde, der der Leopoldplatz gehört, beauftragt seit kürzerer Zeit einen Sicherheitsdienst, der ein Drogen- und Alkoholverbot auf dem Platz durchsetzt, was faktisch einem Nutzungsverbot für die bisherige Nutzer_innen gleichkommt. Gleichzeitig soll die Umgebung unter dem Schlagwort „Aktive Stadtzentren Müllerstraße“ aufgewertet werden, dafür stehen jährlich 1 Million Euro bereit. Unter Mitarbeit von Karstadt soll so die Müllerstraße wieder als Einkaufsstraße ein ”Hauptzentrum Berlins” werden. Das bedeutet größere Einkaufsketten, die bereit sind erhöhte Gewerbemieten zu zahlen, sollen angelockt werden. Die kleinen Gewerbetreibenden finden in diesem Prozess keinen Platz, ebenso wenig die bisherigen Anwohner_innen, die erhöhte Wohnraummieten kaum aufbringen können.

In Berlin gibt es immer weniger öffentlichen Raum, der noch nicht (teil-)privatisiert oder kommerzialisiert ist. Stattdessen gibt es immer mehr Kontrolle und Überwachung. Wie öffentliche Plätze genutzt werden sollen, ist klar definiert: Touristenzonen zum nett Anschauen, bitte ohne Dreck, schnorrende oder gemütlich rumsitzende Personen, Einkaufsstraßen, in denen nur willkommen ist, wer auch konsumiert und Stadtparks zum Erholen, aber bitte ohne Lärm, Alkohol, Hunde und bitte möglichst ohne den Rasen zu betreten. Das Bild der Glanz und Gloria Metropole, die nur an den Konsumraum angepasstes Verhalten duldet, aber den Konsumraum für Drogenkonsument*innen möglichst aus der Wahrnehmung verdrängen will, wird immer deutlicher und mit immer massiveren Mitteln durchgesetzt. Durchgesetzt wird die „vorgesehene Nutzung“ durch private Sicherheitsdienste und so genannte Kiezläufer_innen. Vom JobCenter in diese Rolle gezwungen, sorgen letztere als modere Denunziant_innen dafür, dass das gemütliche Miteinander an öffentlichen Plätzen schleunigst von den Ordnungsämtern und der Polizei unterbunden und im Wiederholungsfall bestraft wird.

Wir wollen diesem Druck etwas entgegensetzen, weil wir es nicht hinnehmen wollen, dass Menschen kriminalisiert und aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden sollen. Wir wollen zur offenen Diskussion und zum selbstständigen Handeln anregen. Der öffentliche Raum gehört uns allen, und wir können selbst entscheiden wie wir ihn nutzen wollen. Hierbei wollen wir nicht ausblenden, dass es unterschiedlichen Interessen gibt, aber ein offenes gemeinsames Austauschen über die verschiedenen Bedürfnisse ist notwendig, um möglichst allen gerecht zu werden, ohne Menschen und von der gesellschaftlichen Teilhabe auszuschließen. Das geschieht sowohl direkt durch die Ordnungsämter und Bullen oder indirekt durch steigende Mieten und Preise, die sich die meisten einfach nicht mehr leisten können. Statt von den Menschen auszugehen, die den Platz nutzen wollen, geht das Interesse des Senats und des Quartiersmanagements in Richtung Aufwertung. Klingt ja auch gut, wenn alles schöner werden soll. Aufwertung bedeutet aber immer auch langfristig die Verdrängung der aktuellen Bewohner_innen. „Wann ist der Punkt erreicht wo Sie selbst betroffen sind und nicht mehr „ins Bild“ passen? Beim Baumhausbau, der sofort vom Ordnungsamt gestoppt wird? oder der Geburtstagsparty mit Grillen im Park, die wegen Grillverbot und Alkoholkonsum von der Polizei geräumt wird?“Wann wird der Ordnungsdrang einiger zum Ordnungszwang für alle?

Ob bei der Kontrolle der öffentlichen Räume oder bei der Durchleuchtung des Privatlebens durch die JobCenter, die Krisenrhetorik wird genutzt um neoliberale Strategien durchzusetzen. Verhindert wird damit ein selbstbestimmtes Leben und ein schönes Leben aller zu Gunsten der Reichen und der Konzerne.

Die Kiezgruppen


1 Antwort auf „Umsonstbuffet auf‘m Leo“


  1. 1 Herbstaktionstage: Berlin on sale – nicht mit uns! at Gentrifizierung in Berlin Pingback am 07. Oktober 2010 um 21:42 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: