Flugblatt

Steigende Mieten stoppen – Wohnraum für alle
Ein Kiez- seine Wohnungen – eine öffentliche Begehung

Liebe Mieter und Mieterinnen in Friedrichshain,

Heute besuchen wir öffentliche Wohnungsbesichtigungen in Friedrichshain, um auf die skandalöse Entwicklung auf dem Berliner Wohnungsmarkt aufmerksam zu machen. Diese Wohnungsbesichtigungen der etwas anderen Art, mit Musik und Protest haben in den vergangenen Jahren in Frankreich und aktuell auch in Hamburg sowohl für eine breitere Protestwelle, als auch für politische Diskussionen gesorgt.

Wir besuchen Wohnungen, die sich Normalsterbliche gar nicht mehr leisten können. 3 Zimmer, 80qm für schlappe 1000 Euro oder mehr – Quadratmeterpreise von 8 bis 12 Euro sind keine Einzelfälle, sondern mittlerweile Standard in Friedrichshain. Manche Leute bezahlen diese unverschämten Mieten, weil sie genug Geld haben und die Gegend schick finden. Menschen mit niedrigem Einkommen, Rentner_innen, Studierende und Hartz IV – Berechtigte können sich solchen Wohnraum nicht mehr leisten. Dabei ist Wohnen, wie auch Essen ein Recht, dass allen, ob arm oder reich ermöglicht werden sollte. Wir sind heute hier um unbequem und indiskret auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Wir wollen zu Reflektion und Kritik animieren und aus unserer Lethargie ausbrechen. An die Zugezogenen: heute gehen wir, morgen geht ihr. Schicker und teuer geht immer.

Wohnungsbesichtigungen – unter unserer Würde
Bei den Wohnungen, die noch einigermaßen bezahlbar sind, bilden sich Schlangen die von der Wohnung bis auf die Straße reichen. Ein Hauen und Stechen beginnt und am Ende bekommt der den Zuschlag, der eine weiße Hautfarbe, ein geregeltes Einkommen und ein gepflegtes Äußeres vorzuweisen hat.
Der Rest zieht dann besser in einen Randbezirk.

Bei „Luxus“-Sanierungen (die oftmals nur billig-Luxus sind) sieht die Wohnungsbesichtigung etwas anders aus: Lange Schlangen gibt es hier nicht mehr. Es werden exklusiv persönliche Termine vereinbart und in Aperitif-Atmosphäre über einen evtl. Kauf oder Einzug geplauscht. Menschen ohne das nötige Kleingeld kommen erst gar nicht in den Genuss – weder des Aperitifs – noch der Wohnung.

Verflechtung von Politik und Wirtschaft
Ein Grund für die steigenden Mieten ist die Stadtentwicklungspolitik, die Stadtteile wie Friedrichshain schöner und attraktiver gestalten will. Stadtbesitz und Freiflächen werden privatisiert. Freudige Helfer findet die Politik u. a. in Immobilienfirmen, Finanzinvestor_innen und Spekulant_innen, die sich langfristig hohe Profite versprechen. So werden Altbauten saniert und schicke Neubauten entstehen. Schöner und sauberer? Das ist Geschmackssache. Fest steht: Friedrichshain wird aufgewertet und der Mietspiegel steigt. Alte Mietverhältnisse werden nach und nach aufgelöst, Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt und wenn die Wohnung doch vermietet wird, können wir uns nach der Sanierung die neue Miete nicht mehr leisten und werden zum Umzug gezwungen. Einkommen oder Hartz IV steigt nicht, die Rente wird sogar gekürzt, dies führt systematisch zur Verdrängung der ansässigen Bewohner_innen und kleiner Einzelhändler_innen.

Was nun? – Was tun!
Seit einiger Zeit organisieren sich Mieter und Mieterinnen – ob im Haus gegen den Vermieter, mit den Nachbarinnen im Stadtteil. Das ist nicht immer einfach – Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen treffen aufeinander. Seien es RentnerInnen, die seit 40 Jahren im Kiez leben, Studierende mit drei Nebenjobs, der Verkäufer der mit 600 Euro netto jeden Monat nach Hause kommt und Ex-Hausbesetzerinnen, die ja schon immer etwas komisch aussehen. Menschen so unterschiedlich wie du und ich, aber alle vereint die Wut gegen steigende Mieten, eine unsoziale Wohnungspolitik und gegen die unbegrenzte Geldgier der Vermieter_innen oder Immobilienhaie.

Unsere Chance besteht darin unsere Vorbehalte untereinander abzulegen und solidarisch auf einander zu zu gehen, uns zu organisieren und mit anderen Betroffenen zu vernetzen und uns gemeinsam zu wehren.

Auf zu den Stadtteilversammlungen und Mieterversammlungen.
Wohnraum ist keine Ware! Berlin on Sale – nicht mit uns!

erste Info´s unter:
mietenstopp.blogsport.de





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