Kiezversammlung SO 36

Kreuzberg 36: Kotti-, Heini-, Oranienplatz- & Bethanien-Kiez
Dienstag, 2.11.10, 20 Uhr, NewYorck im Bethanien (Südflügel, Mariannenplatz 2a)

Während in Kreuzberg die Mieten explodieren, Wachschutz und Polizei drangsalieren, immer mehr Menschen verdrängt werden, sieht es mit dem Widerstand dagegen bislang eher etwas mau aus. In Reiche-, Wrangel- und Gräfekiez gibt es Ansätze zu kontinuierlich arbeitenden Stadtteil- Gruppen, genauso wie in den angrenzenden Gebieten Alt-Treptow und Neukölln (Schillerkiez). Aber was ist rund um Kotti und Heinrichplatz, O-Platz und Bethanien?

Auch und gerade hier explodieren die Mieten für Wohnungen und Gewerberaum, kommt es fast täglich zu massiven Polizeieinsätzen am Kotti, sind die Nächte mittlerweile mehr durch den schwarzgekleideten Wachschutz der Immobilienfirmen bestimmt als durch uns. Aktionen bleiben bislang vereinzelt und temporär: eine Umsonstladeneröffnung am Heinrichplatz, die trotz grosser Unterstützung durch die Anwohner_innen nach einigen Stunden geräumt wird, ein Transpi gegen steigende Mieten an einem Haus in der Waldemarstrasse, das ein sofortiges Schreiben der Hausverwaltung mit der Drohung der fristlosen Kündigung nach sich zieht, gelegentliche Demos (oft mehr auf die MediaSpree-Problematik bezogen als auf die konkrete Situation in unserem Kiez).

Wir finden das schade, und möchten hiermit alle rund um Kotti und Heinrichplatz, Oranienplatz und Bethanien lebenden und arbeitenden Menschen zu einem Gründungstreffen für eine in Zukunft regelmässig tagende Kiez-Versammlung einladen.

Gegenüber bisherigen Versuchen, wie etwa durch die Initiative „SO36 gegen Mieterhöhung“, hoffen wir stärker noch auf die kleinteilige Organsierung in einem überschaubaren Kiez. Da in den benachbarten Kiezen bereits Ansätze einer ebenfalls kleinteiligen Organisierung bestehen, mit denen wir uns gegebenenfalls vernetzen können, halten wir einen solchen Versuch im Moment für sinnvoll.

In einem ersten Schritt wollen wir versuchen, vor allem auch Menschen, die hier arbeiten und leben und bereits, wenn auch nur ansatzweise, politisch organisiert sind oder waren – in Gruppen, Häusern, Projekten, Kollektiven, WGs usw. – zu motivieren, zu einem ersten Treffen zu kommen. Je nachdem wie das funktioniert, wollen wir uns ausweiten, auch die Menschen erreichen, zu denen wir im Moment noch wenig Kontakt haben. Wichtig ist uns der Versuch, eine kontinuierlich arbeitende Struktur aufzubauen. Dafür finden wir sinnvoller, lieber weniger zu machen, uns nicht zu oft zu treffen und erstmal nicht die Riesen-Projekte zu planen, und stattdessen enspannt und mit Ruhe und Freude an die Dinge heranzugehen.

Was der nächste Schritt nach dem Treffen im Bethanien ist, bleibt abzuwarten. Wir haben schon ein paar Ideen, die vielleicht, je nach Beteiligung, in den nächsten Monaten umgesetzt werden könnten:

  • monatliche Treffen der Kiezversammlung, zu denen über (mehrsprachige) Flyer an allen Haustüren im Kiez eingeladen wird (wenn auch nur 30 Leute zum ersten Treffen kommen, sollte es kein Problem sein, die vielleicht 1.000 Haustüren im Kiez regelmässig zu beflyern, das wären 30 Türen für jede_n von uns)
  • Info-Spaziergänge durch den Kiez
  • Erstellung eines Überblicks: wem gehören eigentlich die Häuser im Kiez? Wer sind die Hausverwaltungen? Wie agieren die Eigentümer und Verwaltungen, wer ist besonders mies? Wie hoch sind die Mieten?
  • Organisierung von Unterstützungs-Aktionen bei konkret von Mieterhöhungen betroffenen Mieterinnen und Mietern
    Einmischung in die Vermietung bei Neuvermietungen (an wen wird vermietet, und zu welcher Miethöhe?)
  • Einrichtung eines Stadtteilzentrums (Umsonstladen, Kiezcafe, Zentrum gegen steigende Mieten)
    Organisation regelmässiger Mieter_innen-Beratung hier im Kiez (in Zusammenarbeit mit der Berliner Mietergemeinschaft zum Beispiel)
  • Eingreifen in konkrete Umgestaltungsprozesse (am Beispiel Kotti: was wollen die von Verdrängung und Repression betroffenen Nutzer_innen? Was wollen die Anwohner_innen? Was wollen lokale Gewerbetreibende? Wie kann ein Ausgleich zwischen legitimen Interessen aussehen? Was können wir tun gegen Polizei-Razzien und Kameraüberwachung?)
  • Organisation von grösseren Sachen (z.B. Mieten-Demos, Diskussionsveranstaltungen etc.) zusammen mit Initiativen aus Nachbar-Kiezen

Bevor jetzt jemand kalte Füsse kriegt: das sind alles nur Ideen! Einiges davon kann vielleicht umgesetzt werden, und/ oder andere Ideen. Aber das wichtigste ist uns, möglichst viele Menschen zu erreichen, die sich beteiligen wollen. Also wollen wir lieber erst mal weniger machen, dafür aber mit möglichst vielen Menschen zusammen! Wir wünschen uns eine Struktur, wo auch Menschen, die wenig Zeit haben (Familie, Beruf, sonstiges Engagement, stressige Freizeitgestaltung etc.) sich mit Lust und ohne Zwang einbringen können.

Langfristig schwebt uns eine weitestgehende Selbstorganisation unseres Kiezes vor: Die Häuser denen, die drin wohnen, in einem Kiez ohne sexistische, homophobe und sonstige Übergriffe, ohne Quartiersmanagement, und natürlich auch ohne die Prügelbullen der Einsatzhundertschaften.

Kiezversammlung für alle Menschen, die rund um Kotti und Oranienplatz, Heinrichplatz und Bethanien leben, arbeiten oder sonstwie aktiv sind (und natürlich auch offen für alle anderen Interessierten):
Dienstag, 2.11.10, 20 Uhr
NewYorck im Bethanien (Südflügel, Mariannenplatz 2a)

PS: Wenn ihr zu dem Termin nicht könnt, aber gerne weiter informiert werden möchtet, oder für Anregungen und Fragen schickt uns eine E-Mail: kotti-kiez@riseup.net .




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